ENASTE-Kongress, 14.-16. Mai 2015

ENDE

Call for Papers

Jede Form der Pädagogik steht immer in einem Austausch mit ihrer Zeit. Die vielfältigen und raschen sozialen, kulturellen, technologischen, ökonomischen und demographischen Veränderungen der letzten Jahre stellen daher auch Erziehung und Bildung vor immer neue Herausforderungen – und Chancen. Der dritte internationale Kongress des „European Network for Academic Steiner Teacher Education“ (ENASTE) möchte zu einer Reflexion dieser Entwicklungen und ihrer Bedeutung für Kindheit und Jugend, für Pädagogik, Schule und Lehrerbildung beitragen.

Kindheit und Jugend sind von intensiven Veränderungen geprägte Lebensphasen. Doch verändern sich eigentlich auch Kindheit und Jugend als solche? Oder wandeln sich in erster Linie ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? Vor welche Herausforderungen stellen etwa Phänomene wie Globalisierung, Enttraditionalisierung oder soziale Beschleunigung die Pädagogik? Wie haben Schulen und Lehrerbildungsstätten auf soziale Veränderungen und kulturelle Wandlungsprozesse zu reagieren?

Diesen und anderen Fragen soll im Rahmen des interdisziplinär ausgerichteten Kongresses nachgegangen werden. Empirisch orientierte Forschungen zu den Einflüssen verschiedener Transformationsprozesse auf Kindheit, Jugend und Erziehung haben dabei ebenso ihren Platz wie theoretisch-konzeptionelle Überlegungen zu Charakteristika und Phänomenen der Gegenwart und deren pädagogischer Relevanz.

Sektionen:

Kindheit und Jugend: ein Wandel der Bilder

„Kindheit“ und „Jugend“ sind immer auch soziale Konstrukte. Was als „kindlich“, als „kindgemäß“ gilt, ist in hohem Maß von individuellen und kollektiven Wertvorstellungen, Lebensentwürfen und Menschenbildern geprägt. Jahrhundertelang galten Kinder im Wesentlichen schlichtweg als „kleine Erwachsene“. Erst im Laufe der Neuzeit kam es zur „Entdeckung der Kindheit“. Kindheit gilt seither als eine besondere Phase der Individualentwicklung – geprägt durch eine „eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen“ (J. Rousseau) und ausgezeichnet durch einen in ihr selbst liegenden Wert. Doch wie sieht heute das gesellschaftliche Bild von Kindheit und Jugend aus? Werden etwa Kinder, die von Werbungs- und Medienmachern als Teil einer finanzkräftigen „Zielgruppe“ entdeckt wurden, noch in ihrem „Kindsein“ anerkannt? Stellen der soziale, ökonomische und technologische Wandel sowie die Entfaltung der „Multioptionsgesellschaft“ (P. Gross) Kinder und Jugendliche vor Herausforderungen, die selbst für Erwachsene nur schwer zu bewältigen sind? Welche Konzepte von „Kindheit“ und „Jugend“ sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts besonders prägend?

Altersgemäße Erziehung: neue Ansätze und Konzept

Pädagogiken, Lernkonzepte und Curricula nehmen auf unterschiedliche Weise auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse und Modelle Bezug. Doch welche Rolle spielen Ansätze einer „altersadäquaten Erziehung“ heute im Kontext pädagogischer Praxis und Theoriebildung tatsächlich? In welcher Form berücksichtigen beispielsweise neue, bildungspolitisch stark geförderte Ansätze zur Standardisierung und (internationalen) Vergleichbarkeit von Leistungsüberprüfungen entwicklungspsychologische Gesichtspunkte? Werden entwicklungsbedingte Differenzen anerkannt oder nivelliert? Sind Kinder und Jugendliche hinsichtlich ihrer körperlichen, sozialen und kognitiven Entwicklung heute früher „reif“ als ihre Altersgenossen vor einigen Jahrzehnten? Wandeln sich Kindheit und Jugend oder doch nur ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? In welcher Form können bzw. müssen (entwicklungsdynamisch orientierte) Pädagogiken auf mögliche Veränderungen der kindlichen Entwicklung Rücksicht nehmen sowie ihre Theorien und Praxen neu überdenken? Welche aktuellen Ansätze und Konzepte zum Verständnis menschlicher Entwicklung bieten dabei Impulse für die Pädagogik?

Kindheit und Jugend im Wandel: die Rolle der Medien

Kaum ein Phänomen macht die Vehemenz und das Tempo der im Laufe der letzten Jahre erfolgten Veränderungen so deutlich wie die rasanten Entwicklungen der Medien- und Kommunikationstechnik. Wie erlernen aber Kinder und Jugendliche einen adäquaten Umgang mit den neuen Technologien? Inwiefern verändern die modernen Medien das Leben und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen? Wie sehen eigentlich Kinder und Jugendliche selbst ihr Verhältnis zu Medien? Worin liegen dabei die Aufgaben, Herausforderungen und Möglichkeiten von Pädagogen und Bildungsinstitutionen?

In Kommunikation: (sich) verändernde Beziehungen

Menschen können „nicht nicht kommunizieren“ (P. Watzlawick).
Kinder und Jugendliche kommunizieren mit Altersgenossen, Eltern, Lehrern,… Medien und Formen der Kommunikation haben sich im Laufe der letzten Jahre zweifellos gewandelt. Verändern sich damit auch die Beziehungen zwischen Menschen? Brauchen Kinder heute eine neue, andere Form des Verhältnisses zu Erwachsenen? Welche Arten intersubjektiver Beziehungen ermöglichen Kindern und Jugendlichen etwa Autonomie und Stabilität in der Welt der „Risikogesellschaft“ (U. Beck)? Sind Modifikationen der Lehrer-Schüler-Relation notwendig? Wandeln sich die Kommunikationsbeziehungen zwischen Kindern bzw. Jugendlichen? Welchen Einfluss üben Transformationen des Generationenverhältnisses sowie Modifikationen der Familienstrukturen auf die Entwicklung aus?

Multikulturelle Erziehung: Herausforderungen und Chancen

Aufgrund von Globalisierungsprozessen und Migrationsbewegungen ist soziale, kulturelle und religiöse Heterogenität längst ein wesentliches Kennzeichen moderner Gesellschaften geworden. Gerade für Bildungsinstitutionen entstanden dadurch ganz neue Herausforderungen: Bedürfen etwa Schulklassen, in denen die Unterrichtssprache für die Mehrheit der Schüler eine „Fremdsprache“ ist, neuer Unterrichtsformen? Welche Chancen eröffnet die „Globalisierung im Klassenzimmer“? Welche institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen verlangt eine gelingende multikulturelle Erziehung?

Soziale und emotionale Intelligenz: neue Perspektiven für die Pädagogik

In einer Zeit des zunehmenden Bedeutungsverlusts von tradierten Bindungen und Werten sowie einer sich verstärkenden sozialen Individualisierung, aber auch Fragmentierung, kommt sozialen Kompetenzen immer größere Relevanz zu. Gehören die Förderung und die Ermöglichung von Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie und vernetztes Denken daher zu den zentralen Aufgaben zeitgemäßer Pädagogik? Welche Spiel-, Lern- und Gestaltungsräume brauchen Kinder und Jugendliche zur Entwicklung sozialer Kompetenzen? Welche sozialen und emotionalen Fähigkeiten entwickeln Kinder und Jugendliche im Kontext sich transformierender Gesellschaften?

Infos:

Im Rahmen der nach den obigen Sektionen gegliederten Arbeitsgruppen können Vorträge im Umfang von etwa 20 Minuten gehalten werden, an die sich jeweils eine Diskussion anschließt.

Vorträge sind in den Kongresssprachen Englisch und Deutsch möglich.

Einreichungen für Vorträge können bis zum 30. November 2014 an contact@ENASTEcongress.net geschickt werden. Die eingereichten Abstracts sollten Inhalt, Ziel und Methode des geplanten Vortrags unter Berücksichtigung des theoretischen und/oder empirischen Hintergrunds darstellen und eine Länge von 400 Wörtern nicht überschreiten. Die Auswahl der Beiträge liegt in der Verantwortung des Organisationskomitees.

Neben den Hauptvorträgen sowie den Arbeitsgruppen sind auch eigene Diskussionsforen geplant. Für diese können ebenso bis zum 30. November 2014 Themenvorschläge per E-Mail eingereicht werden. (Damit verbunden ist die Bereitschaft, das Thema im Rahmen des Forums kurz einzuführen, und die Moderation des Gesprächs zu übernehmen.)

Ort:

Der Kongress findet in den Räumen der Diplomatischen Akademie Wien (Favoritenstraße 15a, 1040 Wien) sowie des Zentrums für Kultur und Pädagogik (Tilgnerstraße 3, 1040 Wien) statt.

Veranstalter:

Zentrum für Kultur und Pädagogik – Institut der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Im Auftrag von: ENASTE (European Network for Academic Steiner Teacher Education)

Komitee:

Prof. Dr. Leonhard Weiss (Vorsitzender)
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft: Zentrum für Kultur und Pädagogik, Österreich

Caroline Bratt
Waldorflärarhögskolan, Schweden

Univ.-Prof. i. R. Dr. Karl Garnitschnig
Universität Wien, Österreich

Prof. Dr. Peter Lutzker
Freie Hochschule Stuttgart, Deutschland

Prof. Dr. Marcelo da Veiga
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft,
Deutschland

Prof. Dr. Carlo Willmann
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft: Zentrum für Kultur und Pädagogik, Österreich

Kontakt:

Zentrum für Kultur und Pädagogik
Tilgnerstraße 3, 1040 Wien
Tel.: +43 (1) 504 84 83
contact@enastecongress.net